Weniger Geld dafür mehr Lebensqualität

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sabato 16 febbraio 2013

Immer mehr mittlere Führungskräfte wollen keine Verantwortung mehr. Lieber verzichten sie auf ihre Karriere, als sich zu viel Stress aufzuladen. Dieser Trend findet auch hierzulande immer mehr Anhänger.

"Als ich in den Weihnachtsferien zusammengebrochen bin und für zwei Wochen mit hohem Fieber, Rücken- und Kopfschmerzen im Bett lag, habe ich beschlossen, dass sich in meinem Leben etwas ändern muss", erzählt der Verwaltungsleiter eines bekannten mittelständischen Südtiroler Unternehmens. Er hat daraufhin entschieden, sein Arbeitsverhältnis zu kündigen, sich eine mehrmonatige Auszeit zu gönnen und will sich dann einen Job als „einfacher Buchhalter“ suchen. Wie man an diesem Beispiel sehen kann, ist in den meisten Fällen ein einschneidendes Erlebnis der Grund dafür, dass jemand sein Berufsleben infrage stellt: eine Veränderung im Management, eine Entlassung, ein Burnout oder schwere Krankheit, die Geburt eines Kindes oder auch eine Scheidung.

Immer mehr mittlere Führungskräfte verspüren den Wunsch, sich von einer 70 bis 80 Stunden Woche bewusst zu verabschieden, um endlich Privat- und Berufsleben in Einklang bringen zu können. Sie wollen ihren neuen Job nach ihren eigenen Werten ausrichten und nehmen sich vor, mit der eigenen Zeit und Energie besser hauszuhalten. Dabei verzichten sie ganz bewusst auf einen Teil ihrer Entlohnung. Viele Arbeitspsychologen erklären dieses Phänomen mit der Suche nach einem Lebenssinn, vor dem Hintergrund einer Arbeitswelt, die immer stärker auf Produktion und kurzfristigen Profit ausgerichtet ist.

Aber dieses „Mehr“ an Lebensqualität muss man sich auch leisten können. Jeder, der sich für diesen Weg entscheidet, muss sich nicht nur die Frage stellen, auf wie viel „Geld“ er bereit ist zu verzichten, um ein „Mehr“ an Zeit für sich selbst, seine Familie, seine Gesundheit, seine Hobbies und Interessen zur Verfügung zu haben, sondern der Betroffene muss sich in erster Linie fragen auf was er verzichten kann, um auch in Zukunft seinen Verpflichtungen noch nachkommen zu können. Oft ist es nicht eine Frage des „Wollens“ sondern vielmehr des „Könnens“! Kann ich es mir in meiner Situation überhaupt leisten? Es muss die Existenz gesichert sein, anderenfalls ist die Work-Life-Balance ohnehin nicht zu erreichen.

Dem Thema Leistung bzw. Leistungspotenzial begegnen wir heute nicht mehr nur in der Arbeitswelt, dasselbe hat schon längst auch im Freizeitbereich Eingang gefunden. Mit dieser Entwicklung ist die „Zeitfrage“ immer stärker in den Mittelpunkt gerückt, wobei das Zeitbudget in vielerlei Hinsicht genauso wichtig wurde wie das finanzielle Budget. Immer mehr Personen haben aus diesem Grund den Wunsch nach einer Teilzeitstelle. Aber woher genau kommt dieser Wunsch nach einer Teilzeitstelle? Werden wir immer fauler? Dies ist eindeutig zu verneinen! Einer der wichtigsten Gründe dafür ist der, dass für viele Menschen der „Lebensbereich Freizeit“ genauso wichtig geworden ist wie der „Lebensbereich Arbeit“.

In den letzten Jahren haben viele Unternehmen ihre Personalpolitik dahin gehend neu ausgerichtet, dass sie Beschäftigte darin unterstützen, intern andere bzw. neue Aufgaben zu übernehmen, um somit mehr Freizeit zu haben. Einige Unternehmen stehen dem Thema offener gegenüber als andere, aber einen Teilzeitjob oder einen anderen Posten zu bekommen, ist nach wie vor nicht einfach. "Es ist leichter, eine Verringerung der Arbeitszeit beim Arbeitgeber zu beantragen, wenn man schon eine Stelle hat, als auf dem Arbeitsmarkt eine Teilzeitstelle zu finden.“