Social Media als Zeitkiller und Sicherheitsrisiko

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sabato 19 gennaio 2013

Die meisten europäischen Unternehmen wissen nach wie vor nicht, wie sie mit Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder XING umgehen sollen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle, europaweite Studie von Coleman Parks im Auftrag von Iron Mountain, einem weltweiten Anbieter von Services für das Dokumentenmanagement.

Zwar sind sich 86 Prozent der in der Studie befragten europäischen Unternehmen darüber bewusst, dass Kommunikation über den Kanal Social Media als formaler Geschäftsvorgang einzuordnen ist. Gleichzeitig sehen sich aber 63 Prozent nicht in der Lage, die in sozialen Netzwerken ausgetauschten Daten und Informationen entsprechend zu erfassen und verwalten. Auch deshalb verbieten rund 90 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern die Nutzung sozialer Netzwerke am Arbeitsplatz. Social Media sind als Kommunikationskanäle noch relativ neu, erzeugen kaum zu überschauende Mengen unstrukturierter Daten und sind deshalb schwer zu kontrollieren. Aus diesem Grund stehen die Unternehmen vor vergleichbaren Schwierigkeiten wie einst bei der Einführung des E-Mail-Verkehrs. Die Unmittelbarkeit und Formlosigkeit in sozialen Netzwerken erhöhen darüber hinaus das Risiko für Datenschutzverletzungen oder die unbeabsichtigte Veröffentlichung vertraulicher Informationen. Und es prallen vielfach zweier Welten aufeinander: Die private Welt des Arbeitnehmers kollidiert mit den Anforderungen des Unternehmens – das aber seinerseits oft gleichfalls in den Social Media präsent und aktiv ist.

Und trotzdem: Knapp die Hälfte der Beschäftigten ist auch am Arbeitsplatz bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken aktiv. Und das nicht nur in den Pausen, wie aus mehreren Umfragen hervorgeht. So gaben immerhin 52 Prozent der 4.000 Befragten einer Umfrage in Deutschland zu, dass ihre Nutzung von Social Media auf Kosten der Arbeitsleistung geht. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit Arbeitgeber die private Internetnutzung überhaupt noch kontrollieren können. Immer mehr Menschen besitzen nämlich sogenannte Smartphones, mit denen sie jederzeit online sind, ohne auf einen Online-Zugang über die Firma angewiesen zu sein. Die radikale Lösung wäre ein generelles Verbot privater Handys am Arbeitsplatz. Ist das aber überhaupt umsetzbar? Aus diesem Grund wird berechtigterweise immer wieder die Frage gestellt, wie viel Zeit Arbeitnehmer wirklich in sozialen Netzwerken verschwenden.

Social Networks sind aber auch für die Arbeitgeberseite nicht nur nachteilig. Mittlerweile haben sie sich z.B. zu einer wichtige Ressource zur Anwerbung neuer Talente entwickelt. Ein Viertel der Befragten „potenziellen Kandidaten“ glaubt, dass eine Social-Media-Präsenz für Unternehmen notwendig und wünschenswert sei. Denn dieses Viertel nutzt ausschließlich diesen Weg, um sich über potentielle Arbeitgeber zu informieren und um sich zu bewerben. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die private Nutzung von Social Media am Arbeitsplatz in weiten Teilen etabliert und aus Arbeitnehmersicht, besonders in der jüngeren Generation, vielerorts bereits zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt hat. Und ferner bieten Social Media Unternehmen eine interessante Kommunikationsplattform, um ihre Produkte oder Dienstleistungen zu vermarkten.

Viele Arbeitgeber haben auch deshalb eine negative Haltung gegenüber Social Media, da ihnen noch nicht ganz klar ist, wie sie damit umgehen sollen. Sie pochen darauf, ihren Mitarbeitern am Arbeitsplatz schlichtweg den Umgang mit sozialen Netzwerken zu untersagen. Datenschutz und Datensicherheit spielen bei dieser Entscheidung eine große Rolle. Das andere Extrem sind Unternehmen, die sich um das Phänomen der Social Networks überhaupt nicht kümmern, sie vielleicht sogar belächeln. Wie man es auch nimmt, beide Vorgehensweisen sind falsch. Stattdessen sollten Unternehmer das tun, was schon immer die besten Resultate erzielt hat: Mitarbeiter im Umgang mit den sozialen Netzwerken aufklären. Durch Social Media Guidelines stellt man klar, was getan und gesagt werden darf und was man lieber für sich behalten sollte. Wenn diese Richtlinien wirklich klar dargestellt sind, können sich Unternehmen sicherer sein, dass ihre Mitarbeiter sie nicht in Schwierigkeiten bringen. Auch sollte der Unternehmer sich nicht auf den Standpunkt stellen, dass der Umgang mit sozialen Netzwerken automatisch zu Risiken im Datenschutz führt. Im Gegenteil: Wenn das Unternehmen keine Regelungen vornimmt, ist das Risiko in diesem Bereich meist größer.