Wie trenne ich mich von Mitarbeitern

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Samstag, 6. Oktober 2012

Leider steht dieses Thema nunmehr auch in vielen Südtiroler Unternehmen auf der Tagesordnung: Mitarbeiter können nicht weiterbeschäftigt werden! Sie müssen gehen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kommt es häufig vor, dass sich Arbeitgeber von langjährigen Mitarbeitern trennen müssen. Sowohl Unternehmer als auch Führungskraft, vor allem aber der betroffene Mitarbeiter selbst, wird auf eine harte Probe gestellt. Dabei ist das „Wie“, d.h. die Art und Weise entscheidend, mit welcher in dieser heiklen Situation vorgegangen wird. Verantwortungsträger sind darin gefordert, den richtigen Umgang sowohl mit den eigenen vor allem aber mit den Emotionen der betroffenen Mitarbeiter zu finden. Eben beschriebene Situationen können nämlich oft sehr heftige Gefühlsreaktionen auslösen.

Eine der schwierigsten Situationen im unternehmerischen Alltag ist ohne Zweifel die Entlassung von Mitarbeitern. Sie wirkt in oppelter Hinsicht belastend. Die Mitarbeiter, die gehen müssen, können verständlicherweise nur schlecht mit dieser Situation umgehen. Sie fühlen sich gekränkt und stellen ein nicht zu unterschätzendes „Gefahrenpotenzial“ für das Unternehmen dar. Die Mitarbeiter, die bleiben können, sind stark verunsichert. Sie beschäftigt die Frage: „Wer wird der nächste sein?“ Die Vertrauensbasis zwischen Unternehmen und Mitarbeitern ist nachhaltig gestört.

Sollte ein Personalabbau aus wirtschaftlichen Überlegungen unbedingt notwendig sein, so muss dieser mit der höchsten Sensibilität umgesetzt werden. Die richtige Vorgehensweise bietet die beste Rückversicherung dafür, dass der Betrieb oder die Abteilung auch weiterhin „gut“ funktionieren kann. Eine Schlüsselfunktion spielt hierbei eine korrekte und transparente interne Kommunikation. Es hängt dabei „nicht“ oder „nicht nur“ davon ab, was dem jeweiligen Mitarbeiter, von welchem man sich trennen möchte, geboten, sondern in erster Linie „wie“ kommuniziert wird. Richtig zu kommunizieren bedeutet aber auch, das richtige Umfeld für das Gespräch zu schaffen. In der Regel findet das Gespräch im Büro der Führungskraft statt. Der Ort des Gesprächs sollte auf jeden Fall störungsfrei sein. Es ist wichtig, schnell auf den Punkt zu kommen und nicht lange um den „heißen Brei“ herumzureden. Die Nachricht der Entlassung muss innerhalb der ersten Gesprächsminuten fallen. Diese Direktheit ist man dem Mitarbeiter schuldig. Wichtig dabei ist auch, dass man sich seiner Verantwortung stellt: "Es tut mir ja leid, Ihnen diese Entscheidung mitteilen zu müssen, aber die Geschäftsführung hat es so gewollt." Diese Floskeln kann man sich sparen, da es nur den Anschein erweckt, als wollte man sich vor der Verantwortung in unangenehmen Dingen drückt.

Es ist also sehr wichtig, dass dem Mitarbeiter unmissverständlich und ehrlich erklärt wird, warum sich die Unternehmensleitung zum Personalabbau entschlossen hat und warum gerade der betroffene Mitarbeiter das Unternehmen verlassen muss. Man sollte ersuchen, dem gekündigten Mitarbeiter Perspektiven aufzuzeigen um zu vermeiden, dass er zu stark an sich selbst zu zweifeln beginnt. Im Interesse des Unternehmens sollte verhindert werden, dass sich der Schock über diese Mitteilung in Wut gegen das Unternehmen wandelt.

Ausschlaggebend ist, dass sich die betroffene Person menschlich und fair behandelt fühlt. Aus diesem Grund darf die als Bedrohung empfundene Situation nicht zusätzlich durch unsichere und widersprüchliche Erklärungen belastet werden. Es ist zu bedenken, dass der entlassene Mitarbeiter über internes Know-how verfügt, welches es ihm unter Umständen ermöglichen könnte, sich auf irgendeine Weise am Unternehmen zu rächen. Die Palette hierfür kann von negativen Äußerungen bei Kunden und Geschäftspartnern bis hin zu Sabotageakten reichen. Das Trennungsgespräch muss deshalb in einem diskreten, fairen und sehr transparenten Rahmen ablaufen, um den Schaden „auf beiden Seiten“ so gering wie möglich zu halten.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 06.10.2012



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