Werte oder wirtschaftlicher Erfolg?

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Samstag, 11. Dezember 2010

Die erste und wichtigste Aufgabe der Geschäftsführung ist und bleibt die wirtschaftlich erfolgreiche Führung des Unternehmens. Sie trägt damit entscheidend zum Wohlstand der Gesellschaft bei. Die kontrovers geführte Debatte über Personalabbau trotz neuer Rekordgewinne macht deutlich, welche Aktualität und Brisanz das Thema „Wertekultur“ in vielen nicht nur internationalen sondern auch lokalen Unternehmen hat. Viele Führungskräfte, die ihren Mitarbeitern erklären müssen, warum die Entlassungspläne für die Zukunft des Unternehmens und der verbleibenden Arbeitsplätze von großer Bedeutung sind, befinden sich nicht selten in einem erheblichen Konflikt zwischen ihren persönlichen und den vom Unternehmen vorgegebenen Wertsystemen. Die Geschäftsführung kann sich nicht aus ihrer hohen soziale Verantwortung stehlen.

In zwei Drittel der Unternehmen wissen die Mitarbeiter, was das Unternehmen erreichen will, und identifizieren sich in hohem Maße mit den Zielen und Werten. Mitarbeiter und Führungskräfte wollen aktiv zum Erfolg des eigenen Unternehmens beitragen, sie sind bereit, alles, oft auch mehr als notwendig, für den Erfolg des Unternehmens zu geben. Diese Mitarbeiter fühlen sich zu Höchstleistungen angespornt, vielfach nicht aus Eigenmotivation aber aus Verantwortungs- und Pflichtgefühl. Unternehmen sind in erster Linie durch "harte Werte" wie Verantwortung, Pflicht, Disziplin, Macht und Kontrolle geprägt. Es findet zwar eine Zusammenarbeit statt, Entscheidungen werden jedoch in erster Linie "von oben" getroffen. "Mitarbeiterführung" hat in diesen Unternehmen vor allem mit dem Setzen von Zielen, mit dem Messen und Kontrollieren der entsprechenden Ergebnisse zu tun. Bei der Bewertung der Arbeitsergebnisse steht vor allem die Leistung des einzelnen im Vordergrund. Eine Kultur der Anerkennung von Leistung ist deutlich geringer ausgeprägt als die der Leistungsanforderung. Weniger klar sind demnach die Rahmenbedingungen für die Erfüllung von Aufgaben geregelt. Die stark ausgeprägte Leistungskultur ist aber keineswegs ein Garant für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg. Die stark auf Leistung ausgerichtete Wertekultur führt in den meisten Fällen zu Unzufriedenheit, mangelnder Motivation und fehlender Selbstverwirklichung der Mitarbeiter. Studien belegen, dass sich vielfach aus pflichtgetriebener Leistung nicht der erhoffte Effekt auf Erfolg einstellt.

Der Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und wirtschaftlichem Erfolg lässt sich mit Hilfe von Erfolgstreibern und Erfolgsbremsen beschreiben: Unter bestimmten Rahmenbedingungen entsteht in Unternehmen ein Betriebsklima, das erfolgreiches Arbeiten fördert oder gar erst ermöglicht. Diesen stehen negative Rahmenbedingungen oder Einflüsse gegenüber, welche einen wirtschaftlichen Erfolg verhindern und demnach als „Erfolgsbremsen“ bezeichnet werden können. Erfolgreich sind jene Unternehmen, welche eine Unternehmenskultur leben, mit Hilfe derer ein klares Bild der Gesamtaufgabe, also eine klare Vision vermittelt wird. Erfolgreicher sind jene Unternehmen, welche mit erfahrenen Mitarbeitern und einem ausgeprägten Maß an Bodenständigkeit handeln, die Verantwortung für Mitarbeiter und Gesellschaft umsetzen und schließlich ein Umfeld schaffen, welches den Mitarbeitern deren Selbstverwirklichung in der Aufgabe, Selbstachtung bei der Erfüllung von Leistung und Gerechtigkeit innerhalb des Unternehmens aber auch nach außen bietet.

Betrachtet man irgend ein großes Unternehmen, eines, das schon lange Zeit Bestand hat, so wird man feststellen, dass es seine Überlebenskraft nicht seiner Organisationsform oder seinem Verwaltungsgeschick verdankt, sondern der Macht überzeugender Werte und dem Anklang, den diese Werte bei den Menschen im Unternehmen finden. Diese Werte spielen also eine zentrale Rolle im Leben eines jeden Einzelnen wie im „Leben“ von Unternehmen. Die Chance, die Werte für eine zukunftsgerichtete Orientierung bilden können, muss genutzt werden, zumal wir in einer Zeit leben, in der immer stärker erkannt wird, dass Gewinne und ethische Grundsätze keine Widersprüche sind.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 27.11.2010



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