Was ist die Probezeit?

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Samstag, 13. November 2010

Da sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Regel zum Zeitpunkt des Beschäftigungsbeginns nicht oder nur sehr flüchtig kennen, wird im Arbeitsvertrag eine Probezeit vereinbart. Die Probezeit dient dazu, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer kennenlernen und prüfen können, ob sich die gegenseitigen Erwartungen an das Arbeitsverhältnis erfüllen. Gestützt darauf entscheiden sie, ob sie sich langfristig binden wollen.

Grundsätzlich gilt, dass zwischen denselben Parteien nur einmal eine Probezeit vereinbart werden kann. Bei einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis kann nicht ein zweites Mal eine Probezeit vereinbart werden, auch wenn dem Mitarbeiter eine neue Arbeitstätigkeit im Unternehmen zugewiesen wird. Zudem ist zu erwähnen, dass eine Probezeit auch nur dann rechtliche Gültigkeit hat, wurde dieselbe im Rahmen eines Arbeitsvertrages schriftlich vereinbart. Eine schriftliche Vereinbarung setzt voraus, dass dieselbe von beiden Vertragsparteien vor Beginn des Arbeitsverhältnisses auch unterschrieben worden ist. Mündlich getroffene Vereinbarungen sind rechtlich nicht verbindend.

Viele sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer stellen sich die Frage, wie lange die Probezeit eigentlich sein kann. Die Dauer der Probezeit hängt zum einen vom gültigen Nationalen Kollektivvertrag ab, welcher im Unternehmen Anwendung findet, zu anderen richtet er sich nach der Einstufung, der Lohnebene des neuen Mitarbeiters. Je höher die Einstufung, d.h. je verantwortungsvoller die Tätigkeiten, welche dem neuen Mitarbeiter zugewiesen werden, desto länger die mögliche Probezeit. Die maximale vom Gesetzgeber zulässige Probezeit beträgt sechs Monate. Bei der im gültigen Nationalen Kollektivvertrag gemäß Lohnebene festgeschriebenen Probezeit, handelt es sich immer um die maximale Probezeit, welche vereinbart werden kann, was so viele heißt, dass nichts die Vertragsparteien daran hindern würde, diese Probezeit zu reduzieren oder sie gar auszuschließen. Wie aber oben erwähnt, muss eine eventuelle Probezeit zwischen den Vertragsparteien schriftlich vereinbart werden.

Die Probezeit beginnt mit der effektiven Arbeitsaufnahme bzw. dem ersten Arbeitstag. Dies gilt auch dann, wenn im Arbeitsvertrag eigentlich ein anderer Arbeitsbeginn vorgesehen wurde. Verunfallt oder erkrankt ein Mitarbeiter noch vor dem vereinbarten Stellenantritt, beginnt die Probezeit somit nicht zu laufen. Auch ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass es sich bei der Probezeit immer um eine effektiv gearbeitete Zeit handelt. Ein Mitarbeiter darf also nicht davon ausgehen, die Probezeit bestanden zu haben, sollte er diese aufgrund von Krankheit, Urlaub oder sonstiger Gründe der Abwesenheit nicht gearbeitet haben. In der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis ohne Begründung mit sofortiger Wirkung beendet werden.

Die Probezeit dient beiden Seiten dazu, sich besser kennenzulernen und am Ende zu entscheiden, ob man sich auch für einen längeren Zeitraum aneinander bindet. Auch wenn es die Möglichkeit einer Probezeit gibt, sollten sich beide Seiten vor Beginn eines Arbeitsverhältnisses dennoch gründlich überlegen, ob sie überhaupt zusammenarbeiten möchten. Für beide Seiten ist der Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses eine „wichtige Entscheidung, eine wichtige Investition“. Der Arbeitnehmer gibt oft einen sicheren Arbeitsplatz auf, ohne sich wirklich sicher zu sein, ob ihm der neue Arbeitsplatz auch zusagen würde. Der Arbeitgeber stellt einen neuen Mitarbeiter ein, mit dem unguten Gefühl, mit der Unsicherheit, ob der neue Mitarbeiter am Ende auch wirklich die ich ihn gesetzten Erwartungen entsprechen wird. Die absolute Sicherheit kann und wird man nie haben können. Dennoch kann die Auswahl des neuen Mitarbeiters bzw. die Auswahl einer neuen Arbeitstelle mit Sorgfalt und Überzeugung getroffen werden. Die Probezeit sollte lediglich als „Ausweg“ dienen. Sollten am Ende dann doch alle Stricke reißen, d.h. Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht zusammenfinden, so kann das Arbeitsverhältnis ohne große Probleme mit sofortiger Wirkung beendet werden.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 13.11.2010



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