Was ist Arbeitszeit

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Samstag, 6. Juni 2009

Das Thema Arbeitszeit wird seit jeher sehr kontroversiell diskutiert. Dies ist insofern nicht verwunderlich, als hier unterschiedliche Interessen sowohl der Arbeitgeber- als auch der Arbeitnehmer aufeinanderprallen. Vorauszuschicken ist, dass von Seiten der EU eine Höchstarbeitszeit von durchschnittlich 48 Wochenstunden einschließlich der Überstunden, Ruhezeiten und -pausen sowie ein bezahlter Jahresurlaub von vier Wochen vorgesehen sind. Die einzelnen Kollektivverträge und/oder Betriebsvereinbarungen beinhalten zusätzliche Regelungen Arbeitszeit betreffend, um zusätzlich den unterschiedlichen Bedürfnissen der verschiedenen Branchen/Betriebe Rechnung zu tragen. Dies erfolgt allerdings nur insoweit, als entsprechende nationale Arbeitszeitgesetze die entsprechende rechtliche Grundlage dafür bieten. Die genaue Dauer der Arbeitszeit (Vollzeit- oder Teilzeit), deren zeitliche Aufteilung (an welchen Tagen wird gearbeitet) und die entsprechende Entlohnung werden ferner durch den jeweiligen Arbeitsvertrag geregelt.

Grundsätzlich ist die Arbeitszeit jene Zeit, die ein Mitarbeiter seinem Chef oder dem Unternehmen für die Erbringung von Arbeitsleistungen zur Verfügung stellt. Für den Arbeitnehmer ist es wichtig zu wissen, dass es sich hierbei um die reine „Nettozeit“ der Tätigkeit handelt: Pausen werden in der Regel ebenso wenig berücksichtigt wie der Weg hin zur Arbeitsstelle. Die Arbeitszeit beginnt also mit dem Betreten der Arbeitsstätte und endet mit dem Verlassen. Einzelne Branchen haben die Arbeitszeit auf unterschiedliche Weise definiert. Zwar ist die Dauer der Arbeitszeit gesetzlich geregelt und darf auch in diesem Rahmen nicht überschritten werden, in verschiedenen Branchen gibt es aber Ausnahmen und Veränderungen der jeweiligen Arbeitszeiten mittels gültigem Kollektivvertrag. Besonders Pausen- und Ruhezeiten könnten in verschieden

en Branchen leicht verschoben sein. Wichtig ist es aber für den Arbeitnehmer, darüber informiert zu sein bzw. zu werden. Wann genau die Arbeitszeit beginnt und wann sie endet, ist in den Betriebsvereinbarungen festgeschrieben oder wird vom Arbeitgeber angewiesen. Der Kollektivvertrag dabei regelt lediglich den Umfang der Arbeit. Aufgrund seiner Weisungsbefugnis, ist der Arbeitgeber auch dazu ermächtigt, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, die Länge der Pausen festzulegen. Ist die Mittagspause Bestandteil der Arbeitszeit? Die Mittagspause ist eindeutig nicht Bestandteil der Arbeitszeit. Die Ausnahme bilden einzelne Branchen oder aber Betriebe mit entsprechender Betriebsvereinbarung.

Des Öfteren wird darüber diskutiert, ob das „Umziehen“ Bestandteil der Arbeitszeit ist. Dazu ist zu sagen, dass für Tätigkeiten, für welche eine Berufskleidung zwingend notwendig ist, das Umziehen am Arbeitsplatz zur Arbeitszeit gehört, so zum Beispiel für eine Krankenschwester, einen Arzt oder einen Labormitarbeiter. Hingegen für Handwerker oder Industriearbeiter gilt dies nicht. Das Schlüpfen in eine Arbeitskleidung ist für sie nicht zwingend vorgeschrieben.

Das Thema „Toilette“ ist ein sehr heikles Thema. Der Gang zur Toilette zählt ganz klar zur Arbeitszeit. Es handelt sich dabei um ein persönliches Bedürfnis des Mitarbeiters, welches vom Arbeitgeber respektiert werden muss. Komplett anders verhält es sich mit der Zigarettenpause. Zum Einen ist das Rauchen am Arbeitsplatz ohnehin verboten, zum Anderen handelt es sich hierbei um kein „menschliches Bedürfnis“. Die Zigarettenpause, abgesehen davon, dass sie, wenn überhaupt im Freien oder aber in eigens dafür vorgesehenen Räumlichkeiten abgehalten werden muss, ist streng genommen keine produktive Zeit. Immer mehr Firmen fordern deshalb von ihren Mitarbeitern die Arbeitszeit zu unterbrechen, indem sie beispielsweise ausstempeln.

Oft stellt sich auch die Frage, ob eventuelle Dienstreisen zur Arbeitszeit zu rechnen sind oder nicht. Genau genommen können in diesem Falle nur jene Stunden außerhalb der regulären Arbeitszeit als zusätzliche Arbeitsstunden berücksichtig werden, in welchen der Mitarbeiter ein Fahrzeug lenkt oder aber welche er auch effektiv arbeitet. Bei einem mehrtägigem Außendienst werden auch eventuelle Übernachtungen nicht als Arbeitszeit berücksichtig.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 06.06.2009



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