Sind Hierarchien ein Auslaufmodell?

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Samstag, 17. September 2016

“Menschen müssen durch Ideen überzeugt werden – nicht durch Hierarchien”, dies war ein ganz klares Statement seitens des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs. Er war der festen Überzeugung, dass man den Mitarbeitern bei dem was sie tun, Vertrauen schenken müsse, da die Freiheit, Neues zu denken und dies auch auszuprobieren seiner Meinung nach der Motor für Innovationen wäre. Diese Ansicht wird in der heutigen Zeit immer stärker diskutiert. Immer mehr Manager rücken von dem Grundsatz ab, dass Rangfolgen unbedingt notwendig sind. Sie räumen ihren Mitarbeitern immer mehr Freiheiten ein und erzielen mit diesem neuen Ansatz der Personalführung beachtliche Erfolge.

Was versteht man eigentlich unter dem Begriff „Hierarchie“? Mit dem Begriff Hierarchie werden von der theoretischen Seite aus betrachtet die formalen Kommunikationsstrukturen einer Organisation bezeichnet. Im Rahmen eines klar definierten Ordnungsprinzips werden Zuständigkeiten, Befugnisse und vertikale Rangverhältnisse geregelt. Verantwortlichkeiten werden zugeordnet und allen Beteiligten kommuniziert, wo bzw. von wem welche Entscheidungen getroffen werden. Dieses klassische Organisationsmodell wird meistens in der Form einer Pyramide dargestellt. Können die Mitarbeiter einer bestimmten Hierarchieebene keine Entscheidung treffen, dann wird dieselbe an die nächsthöhere Stelle delegiert. Diese klassische Organisationsform mit mehreren Hierarchiestufen stößt immer wieder und immer öfter an ihre Grenzen. Der hohe Formalisierungsgrad, bei welchem der „Dienstweg“ einzuhalten ist, führt dazu, dass unweigerlich Kommunikationsfilter wirksam werden. Wichtige Informationen gelangen entweder nur rudimentär oder mit Zeitverzögerung an den eigentlichen Adressaten. In größeren Organisationen kann diese Situation oft ungeahnte Dimensionen annehmen.

Genau aus diesem Grund kommt dieses klassische Organisationsmodell durch solche und zahlreiche andere Beispiele zunehmend unter Druck. Und das hat unweigerlich Auswirkungen auf das Thema Führung, welches von dessen organisatorischem Standpunkt aus nicht nur neu gedacht, sondern auch neu gelebt werden muss. Das Thema Führung wird in Zukunft seltener formell definiert und auf einzelne Personen beschränkt sein, sondern vielmehr eine „informale“ Funktion darstellen, die auf ganze Teams aufgeteilt wird. Das Rollenverständnis von Führungskräften muss also neu definiert werden; sie werden in Zukunft verstärkt einen „Service-Charakter“ einnehmen und dabei regelmäßig in Frage zu stellen sein. Auch kann Führung von verschiedenen Personen abwechselnd wahrgenommen werden; wichtig dabei ist nur, dass die jeweiligen Mitarbeiter aber auch bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Diskussionen werden in Unternehmen immer stärker auf Augenhöhe geführt. Während man noch vor nicht allzu langer Zeit davon ausging, dass Mitarbeiter geführt werden wollen, so vertraut man heutzutage immer mehr auf deren Spezialwissen. Die Gefahr, dass sich der eine oder andere nicht ernst genommen fühlt und daher zu einem anderen Unternehmen wechselt, welches ihm mehr Entscheidungsfreiheit einräumt oder aber die Befürchtung, dass kluge Ideen drohen im Keim zu ersticken wird somit von vornherein stark reduziert.

Aber Vorsicht! Fallen klassische Hierarchien weg, werden klare Strukturen umso wichtiger. Es gilt Spielregeln zu definieren, die genau festlegen, wer welche Aufgaben übernimmt und wo dieselben beginnen aber auch wo sie enden. Nur so kann Klarheit herrschen und gleichzeitig verhindert werden, dass wichtige Aufgaben drohen liegen zu bleiben. In diesem Zusammenhangt ist der Bereich Personal- bzw. Organisationsentwicklung stark gefordert: Es bedarf nämlich einer strikten Arbeitsteilung, klar definierter Arbeitsbereiche aber auch übersichtliche Kommunikationsstrukturen. Und diese eben genannten Leitlinien, müssen innerhalb eines Teams erarbeitet werden. Werden dieselben nämlich nicht vom obersten Chef vorgegeben sondern vom Team selbst erarbeitet, so stärkt dies die Akzeptanz der Teammitglieder und verbessert den respektvollen Umgang untereinander. Es entsteht ein „Wir-Gefühl“. Der Umstand, dass die Meinung jedes einzelnen erwünscht ist, bewirkt zudem, dass die Innovationskraft steigt und sich die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen verbessert. Eine offene und wertschätzende Mitarbeiterführung auf Augenhöhe erhöht somit die Mitarbeiterbindung. Führungskräfte, Teamleiter oder wie wir sie auch immer nennen wollen, entwickeln sich somit von bloßen Lenkern und Entscheidern zu Moderatoren, Vermittlern oder Trainern.



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