Mehr Mobilität ist notwendig

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Samstag, 25. August 2012

Aufgrund des demografischen Wandels, verbunden mit den Trends der internationalen Wirtschaft, entstehen auf den Arbeitsmärkten in Europa eklatante Engpässe in der Versorgung mit qualifizierten Arbeitskräften. Aus diesem Grund wird immer wieder der Versuch unternommen, durch Anwerbung junger, hoch qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte dem Phänomen einer alternden Erwerbsbevölkerung und somit einem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Angesichts der drohenden Krise kann beobachtet werden, dass aus diesem Grund immer stärkeren Druck auf die Politik ausgeübt wird. Durch gezielte Maßnahmen wird versucht, Einbußen im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit so gut wie möglich zu verhindern.

Bei Engpässen am Arbeitsmarkt müssen vor allem innenpolitische Reformen in Angriff genommen werden, welche den Arbeitsmarkt und dessen Rahmenbedingungen, den Bildungssektor oder die sozialen Sicherungssysteme betreffen. Ob dadurch jedoch schnelle und wirksame Mittel zur Verfügung gestellt werden können, die notwendig sind, um auf diese Engpässe rasch und effizient zu reagieren, das sei dahingestellt. Bis dato wurden nämlich keine wirklichen einschneidenden Reformen beschlossen. Im Gegenteil, wir sehen uns immer wieder mit halbherzigen Entscheidungen oder aber Sanierungen/Regulierungen bis zu diesem Zeitpunkt geduldeter Situationen konfrontiert. Dennoch muss in diesem Bereich mit Nachdruck weitergearbeitet werden, vor allem aber mit dem notwendigen Mut, auch wirklich zukunftsweisende Entscheidungen im Bereich des Arbeitsmarktes treffen zu wollen. Eine gezielte Ursachenforschung hinsichtlich einer mangelnden Bereitschaft zur Mobilität bildet dabei eine wichtig Basis, um oben erwähnte Entscheidungen überhaupt erst treffen zu können.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Bereitschaft zur Mobilität seitens der Arbeitskräfte innerhalb der EU, so auch Südtirol, verhältnismäßig niedrig ist. Obwohl bereits einige Unternehmen Bewerbungen aus anderen EU-Ländern erhalten, so beträgt dieser Anteil im Durchschnitt ca. 5%. Zwar ist die Einstellung ausländischer Arbeitskräfte weniger schwierig als noch etwa vor einigen Jahren, doch stoßen Unternehmen nach wie vor auf Hemmnisse, die durch den Mangel an EU-weit einheitlichen rechtlichen Grundlagen gegeben sind. Unterschiedliche Gehaltsniveaus und Umzugskosten sind für Firmen, welche Mitarbeiter in einem anderen Staat anstellen möchten, zu wesentlichen Barrieren geworden. Während viele Unternehmen der Meinung sind, dass die Sprachkenntnisse und die Beschäftigungsmöglichkeiten des Ehepartners oder aber die Ausbildungsmöglichkeiten der Kinder die wichtigsten Hemmnisse für die Mobilität darstellen, so sind die Einzelpersonen eher über den Verlust der sozialen Netze und die Unterstützung von Seiten der Familie und Freunde besorgt. Weitere Bedenken betreffen die Wohnung und die Gesundheitsvorsorge, welche etwa dasselbe Gewicht haben, wie die Notwendigkeit, eine neue Sprache lernen zu müssen.

Ungeachtet der gegenwärtigen Situation ist festzustellen, dass in naher Zukunft ein noch höherer Bedarf an Mobilität notwendig sein wird. Dieser Bedarf steht, wie oben erwähnt, vielfach noch im Widerspruch zur allgemeinen Sichtweise von einzelnen Personen, die nach wie vor der Überzeugung sind, dass sich die Mobilität negativ sowohl auf die Familie, die sozialen Kontakte als auch auf den Arbeitsmarkt auswirken würde. Es gilt daher zum einen Aufklärungsarbeit zu leisten bzw. interessierte Personen umfangreich zu informieren, zum anderen gezielte Aktionen zu setzen, um die Bereitschaft zur Mobilität zu fördern. Es geht dabei um Themen wie: länderspezifische Steuern, Rentensysteme, soziale Sicherheit und Gesundheitsförderung; diese Themen müssen angegangen werden und den potenziellen Arbeitskräften müssen nicht nur entsprechende Informationen sondern auch konkrete Lösungsvorschläge geboten werden. Die Unterstützung der Kandidaten und von Dr. Hannes Mair Seite 2/2 Dolomiten-Beilage M@rkt vom 25.08.2012 zukünftigen Mitarbeiter in der Wohnungssuche und das Angebot Sprachkurse zu belegen ist sehr hilfreich, oft sogar ausschlaggebend, ausländische Arbeitskräfte davon zu überzeugen, ein entsprechendes Arbeitsangebot im Lande wahrzunehmen. Ferner sind die politischen Vertreter gefordert, auf die mit der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte verbundenen Sorgen in der Bevölkerung zu reagieren. Es ist deshalb wichtig, dass sich die Verantwortlichen auch mit den möglichen Ursachen einer ablehnenden öffentlichen Meinung stärker befassen.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 25.08.2012



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