Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber

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Samstag, 14. Februar 2015

Die Frage, ob er jemanden einstellt oder nicht, so erzählt mir ein sehr erfahrener Südtiroler Personalleiter, entscheidet er nach einer Art Formel, der mehr als zwanzig Jahre Berufserfahrung in Personalabteilungen zugrunde liegen. "Im oberen und mittleren Management zählt zu 20 Prozent die fachliche Qualifikation, die man ja ohnehin voraussetzt, zu 40 Prozent gibt den Ausschlag, ob die Chemie zwischen dem Bewerber und mir stimmt, zu weiteren 40 Prozent, ob ich ihn gegenüber seinen Vorgesetzten, dem Unternehmen und auch mir gegenüber für loyal halte."

Loyalität ist der Kitt, der Unternehmen zusammenhält. Sie kann Teams zusammenschweißen und Vorgesetzten den Rücken stärken. Es ist eine Art ungeschriebener Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Im Führungsalltag ist es einer der obersten Gebote, dass man sich seinem Chef gegenüber loyal verhält. Das gleiche wird auch von Führungskräften erwartet. Doch insbesondere mit der Loyalität gegenüber dem direkten Vorgesetzten scheint sich der Durchschnittsarbeitnehmer aktuell schwer zu tun. Auf die Frage "Wem gegenüber sind Sie bei der Arbeit am loyalsten?" antworteten bei einer Umfrage des Internet-Stellenportals Monster.de nur zehn Prozent mit "meinem Chef", ungefähr 19 Prozent fühlten sich "meinem Unternehmen" verpflichtet und 32 Prozent "meinem Team". Die höchste Prozentzahl erreichte mit 33 Prozent die Antwort: "Mir selbst". Die Umfrage macht deutlich, dass sich am Arbeitsplatz jeder selbst der Nächste ist. Loyal gegenüber seiner Firma zu sein, bedeutet, dass man sich aufrichtig und fair gegenüber seinen Vorgesetzten und Kollegen verhält – und eigene Ziele nur verfolgt, wenn sie den Zielen des Unternehmens nicht widersprechen. In letzter Konsequenz bedeutet das, dass jeder, der während der Arbeitszeit im Internet Reisen bucht oder nach einer neuen Wohnung sucht, bereits ein klein wenig illoyal ist. In den letzten Jahren kam also immer wieder die Behauptung auf, dass die Loyalität der in einem Arbeitsverhältnis stehenden Arbeitnehmer kontinuierlich abgenommen hätte. Aber warum entstand dieser plötzliche Umschwung? Galten wir Südtiroler nicht immer als fleißig und loyal? Gründe dafür können sehr mannigfaltig sein. Auf jeden Fall spielt hier auch der Umstand der Wirtschaftskrise eine tragende Rolle. Wenn der Arbeitgeber nicht weiss, wie lange er noch in diesem Betrieb arbeiten wird, wird wohl auch die Loyalität nicht besonders groß sein. Noch vor einigen Jahrzehnten wurde der Betrieb kaum gewechselt, Arbeiter waren bis zu ihrer Rente bei demselben Arbeitgeber beschäftigt. Heute sieht dies wieder ganz anders aus, denn gerade Personen, die kurz vor ihrer Rente stehen, stehen auch im Berufsleben auf sehr wackeligen Beinen.

Jedes Unternehmen hat seine spezifische Kultur und seine eigenen spezifischen Regeln, Werte und Normen. Mitarbeiter, die diese vereinbarten Regeln und Werte einhalten, verhalten sich loyal. Wenn ein Unternehmen beispielsweise kommuniziert hat, dass Mitarbeiter in einem angemessenen Rahmen privat telefonieren dürfen, dann ist solch ein Verhalten erlaubt und angemessen. Illoyales Verhalten ist keine Sache des materiellen Wertes. Es ist egal, ob sich jemand einen Computer für 800 Euro in die Tasche schiebt oder einen Taschenrechner für 15 Euro mitgehen lässt. Wenn in einem Unternehmen die Regelung gilt, dass man Büroartikel nicht zu privaten Zwecken nutzen darf, dann ist es eindeutig ein illoyales Verhalten. Das Problem dabei ist, dass viele Firmen nicht klar kommunizieren, welche Regeln für den Betriebsalltag gelten. Unternehmen tun deshalb gut daran, Werte und Grundsätze klar zu definieren und transparent zu machen, so dass sie für die tägliche Handlungspraxis herangezogen werden können. Der Interpretationsspielraum sollte dabei für alle Personen im Unternehmen so klein wie möglich sein.

Loyalität ist eine wichtige Eigenschaft im Berufsleben, in gleichem Maße sowohl für das Unternehmen als auch den einzelnen Beschäftigten. Beschäftigte, die ihrem Unternehmen loyal gegenüberstehen, empfinden eine besondere Bindung an ihr Unternehmen und sind stolz, dort arbeiten zu können. Sie schätzen die unternehmerischen Werte, Produkte und Ziele. Sie können sich mit ihrem Unternehmen in besonderem Maße identifizieren. Dementsprechend gering ist die Fluktuation unter den Beschäftigten.



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