Gehört die Zukunft den "Alten"?

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Samstag, 24. Januar 2015

Die „Alten“ nehmen den „Jungen“ die Arbeitsplätze weg! Realität oder Legende? Immer mehr anerkannte Altersforscher behaupten, dass die Zukunft der Gesellschaft den Alten gehört und fügen hinzu, dass es aus ihrer Sicht keinesfalls belegt ist, dass Arbeit ein begrenztes Gut wäre. Sie kommen folglich zum Schluß: „Alte“ müssen nicht früher in den Ruhestand, weil sie sonst den „Jungen“ die Arbeitsplätze wegnehmen! In diesen Zusammenhang drängt sich letztendlich die Frage auf, wer oder was denn als „alt“ und wer oder was als „jung“ zu bezeichnen ist. Ist Alter oder ist Altern nicht eine Momentaufnahme? Eine klare Definition, ab wann jemand alt ist, gibt es nicht. Nach Ansicht verschiedenster Forscher trifft der Begriff "50plus" als Beschreibung der "Alten" nicht. Die heutigen 50- bis 65-Jährigen seien viel jünger als die Generation ihrer Eltern. Und was genau heißt jung? Gesünder, fitter, aktiver, flexibler, offener für Neues. "Die Vorstellung, dass Alter ab einem bestimmten Lebensjahr beginnt, ist doch eine soziale Konstruktion oder nicht?“

Auch bei uns in Südtirol gibt es immer mehr alte Menschen und immer weniger Junge. Dies hat unweigerlich Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und somit der  Volkswirtschaft. Die Befürchtung, dass es aus diesem Grund zu weniger Innovationen, Wachstum und steigenden Kosten für Gesundheit und soziale Sicherung kommen könnte, ist schlichtweg überzogen. Schon jetzt ist zu beobachten, dass ältere ArbeitnehmerInnen „freiwillig“ länger arbeiten und dies ohne jegliche körperliche noch geistige Einschränkungen bzw. Probleme. Und sie tun gut daran, gerade weil die Sozialsysteme gestützt werden müssen, weil die Unternehmen auf die Erfahrungen der Alten nicht verzichten können, um innovativ zu sein und auch, weil der Einsatz von älteren Arbeitskräften in vielen Fällen sogar neue Arbeitsplätze schafft.

Für viele mögen diese Aussagen etwas gewagt klingen! Sie haben aber einen klaren wissenschaftlichen Hintergrund. Zu diesen Ergebnissen gelangte die Akademiengruppe „Altern in Deutschland“, einem Projekt der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Die Wissenschaftler haben sich dabei mit den Herausforderungen des demografischen Wandels beschäftigt und sich die Frage gestellt, wie die Arbeitsgesellschaft umgebaut werden müsste, um den Fachkräftemangel aufzufangen und zu verhindern, dass immer weniger Beschäftigte immer mehr Leistungsbezieher finanzieren müssen, die eigentlich fit und in der Lage wären zu arbeiten. Statistisch hat heute in Deutschland jeder Senior bei Renteneintritt eine Lebenserwartung von 18 Jahren, für das Jahr 2050 wurden 25 Jahre errechnet. Und deshalb hat man nicht auch die berechtigte Frage gestellt, ob und wie lange wir uns das noch leisten könnten und welche eventuelle Maßnahmen getroffen werden müssen, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Ob man will oder nicht, man wird sich mit den volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer älter werdenden Gesellschaft auseinandersetzen müssen, um auch in Zukunft den erreichten Lebensstandard halten zu können. Der Schlüssel dafür liegt in der Produktivität. Und interessanterweise nimmt dieselbe, entgegen der vorherrschenden Meinung, im Alter nicht ab. Ältere Beschäftigte sind vielleicht weniger körperlich kräftig und reaktionsschnell, sie haben aber mehr Erfahrungen, soziale Fertigkeiten und Alltagskompetenz. Und da wir in einer Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft leben, sind vor allem diese Kompetenzen gefragt. Seinen Untersuchungen zufolge liegt die Produktivität sogar erst im Alter zwischen 50 bis 60 Jahren am höchsten.



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