Frauen in technischen Berufen

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Donnerstag, 24. Juni 2010

Kennen Sie eine Mechanikerin oder eine Maschinenbauerin? Wenn ja, wie viele Mechanikerinnen sind in Ihrem Bekanntenkreis, und wie viele Ingenieurinnen? Vermutlich täuscht Sie sich mit Ihr persönlicher Einschätzung nicht: Mädchen und Frauen sind in diesen Berufen immer noch selten. Gleichzeitig klagen insbesondere Unternehmen technischer Wirtschaftszweige über Fachkräftemangel. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich Wirtschaft und Politik nun näher mit der Rolle der Frau in Handwerk und Technik beschäftigen. Eine umfassende wissenschaftliche Analyse des Fachkräftemangels fehlt bisher aber. Die Aussagen so mancher Unternehmer deuten darauf hin, dass zumindest bestimmte Sektoren Schwierigkeiten haben, geeignetes Personal zu finden. Auch eine Kurzanalyse der Stellenanzeigen der lokalen Presse zeugt von einem gewissen Arbeitskräftemangel. Etwa ein Drittel aller Stellenanzeigen im technischen Bereich werden noch ein zweites und ein drittes Mal nach der Erstveröffentlichung geschaltet. Dies ist ein zusätzlicher Beweis dafür, dass diese Stellen nicht leicht zu besetzen sind.

Aber was ist eigentlich unter einem „technischen Beruf“ zu verstehen? Obwohl technischen Berufen große Aufmerksamkeit gewidmet wird, muss man immer wieder feststellen, dass eine allgemein anerkannte Definition fehlt. Da Technik heute in fast jedem Beruf präsent ist, verschwimmt die Grenze zwischen technischen und nicht-technischen Beruf. Aus diesem Grunde kann eine breite Definition von technischen und handwerklichen Berufen befürwortet werden. Demnach fallen in diese Kategorie jene Berufe, welche als handwerklich oder technisch ausgezeichnet werden, sowie jene mathematische und naturwissenschaftliche Berufe, wie etwa Ingenieur, Architekt, Physiker, Chemiker oder Biologe.

Die Findung der Berufswahl ist als langer Prozess zu betrachten und wird unweigerlich von Geschlechtsstereotypen beeinflusst. Technische Berufe werden auch heute noch oft als reine Männerdomäne angesehen und von eigentlich längst überholten Vorurteilen beherrscht. Dieser Umstand macht es jungen Mädchen besonders schwer, sich für eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich zu entscheiden. Dafür gibt es viele Gründe. Die Wahl eines Berufes darf dabei nicht als spezifische Entscheidungssituation vor dem Schulabschluss verstanden werden. Im Gegenteil, dieser komplexe Prozess beginnt während der Kindheit und verläuft parallel zur Lebensentwicklung des Menschen. Man kann die Wahl eines Berufes auch nicht mit bestimmten Informations- und Beratungsangeboten gleichsetzen, sondern muss die unmittelbare Lebensumgebung bestehend aus Eltern, gleichaltrigen Freunden, dem sozialen Umfeld und der Darstellung in den Medien berücksichtigen. Interessanterweise messen die Jugendlichen bei ihrer Berufswahl der Schule nur wenig Bedeutung zu.

Gerade im naturwissenschaftlich-technischen Bereich kämpfen viele Arbeitgeber mit dem bekannten Fachkräftemangel. Können die angebotenen Arbeitsplätze nicht besetzt werden, sieht sich das Unternehmen oft auch gezwungen, Aufträge abzulehnen. Längerfristig kann die Konkurrenzfähigkeit und somit das Fortbestehen des Unternehmens in Gefahr geraten. Allein die demografische Entwicklung zeigt, dass die Besetzung der technischen Berufe allein mit Männern in Zukunft nicht mehr möglich sein wird. Die Förderung von Frauen in technischen Berufen erfüllt damit aus unternehmerischer Sicht einen absolut notwendigen Zweck: das Überleben der Unternehmen für die Zukunft sichern. Es gibt auch keine gesetzlichen Hürden, welche diesen Weg einschränken würden. Getrennte Umkleide- und Sanitärräume stellen in diesem Zusammenhang sicherlich kein unüberwindbares Problem dar. Für die Schülerinnen und Studentinnen ist die Wahl eines technischen Berufes nicht selbstverständlich. Es gibt bedeutende Berührungsängste. Um dem beizukommen, sollten die Unternehmen ganz gezielt praktische Einblicke in das Berufsleben bieten. Dies kann durch Schnupper- und Informationstage oder aber gezielte Praktika erfolgen. In die Berufswahlvorbereitung können Unternehmen somit aktiv eingreifen und dabei einen Beitrag dazu zu leisten.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 24.04.2010



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