"Du" oder "Sie" am Arbeitsplatz?

News
Samstag, 21. Dezember 2013

Per Du oder per Sie in der Firma - daran scheiden sich oft die Geister: Nicht jeder Mitarbeiter wird gern lässig geduzt, manche hingegen finden das Siezen am Arbeitsplatz steif und altmodisch. Die Mitarbeiter zu duzen, schafft Nähe, das förmliche „Sie“ sorgt für Distanz. Beide Anreden können als Instrument zur Führung genutzt werden, haben aber ihre Tücken.

Duzen oder Siezen? Die Frage klingt banal, aber am Arbeitsplatz kann es sehr schwierig sein, die richtige Antwort zu finden. Nicht immer ist das vertrauliche „Du“ angebracht, das förmliche „Sie“ wiederum kann zu einer Distanz führen, die eine produktive Zusammenarbeit erschwert. Richtig kompliziert wird es, wenn noch Zwischenformen berücksichtigt werden, wie die Verwendung des Vornamens und dem Sie.

„Du Trottel!“ sagt sich leichter als „Sie Trottel!“. Auf der anderen Seite sagt sich auch leichter: “Du, ich habe ein Problem” oder “Du, können wir gemeinsam an einer Lösung arbeiten?”. Das Du-Wort fördert die Kreativität, erzeugt Nähe und senkt die Hemmschwelle, heikle Themen anzusprechen. In vielen Unternehmen, vor allem aus dem kreativen Sektor, ist das generelle Du-Wort heute üblich. In traditionellen Betrieben hingegen wird damit gerne länger gespart. Duzen allein hat keinen großen Einfluss auf die Unternehmenskultur. Es kann aber ein wichtiger Schritt in Richtung Veränderung sein. Fest steht: Ob am Arbeitsplatz besser gesiezt oder geduzt werden sollte, ist umstritten.

Probleme können sich immer wieder bei großen Altersunterschieden ergeben. Dem 60-Jährigen, der sich vom 16-Jährigen duzen lassen soll, fällt das oft schwer. Bei jungen Teams ist das Du dagegen oft ganz selbstverständlich. Oder aber übernehmen zum Beispiel junge Führungskräfte die Leitung eines Teams, so sollten sie es sich gut überlegen, welchen Stil sie pflegen und welchen Ton sie anschlagen möchten. Mit dem Duzen signalisiert man unter Umständen Nähe, die oft eigentlich gar nicht gewünscht ist. So kann die „Du-Form“ von so manchen Mitarbeitern auch missverstanden werden: Es verwischt hierarchische Grenzen und vermittelt den Eindruck, beide Seiten seien auf gleicher Augenhöhe. Wenn das beabsichtigt ist – so ist dies perfekt. Falls dem Vorgesetzten aber daran liegt, zwischen sich und seinen Mitarbeitern eine klare Grenze zu ziehen, kann das Duzen dieses Verhältnis eher erschweren. Und wenn er dann darauf hinweist, dass mit dem Duzen doch nicht plötzlich alle gleich sind, dann stößt man dem einen oder anderen womöglich vor den Kopf. Kommt man neu in ein Unternehmen, sollte man sich rasch informieren, welche Umgangsformen üblich sind. Ein allgemeines “Du” ist natürlich praktisch. Es kann unter Umständen sehr stressig sein, ständig überlegen zu müssen, wie man jemanden ansprechen darf. Das “Du” hilft, Hemmschwellen abzubauen und Hierarchien abzuflachen. Auf der anderen Seite sollte gerade dann nicht auf den höflichen Umgang miteinander vergessen werden. Bestimmte Spielregeln des Miteinanders müssen immer eingehalten werden. Es ist aber Vorsicht geboten: Ist man per Du, ist die Gefahr größer, dass eine „missverstandene“ Vertraulichkeit entsteht. Auch laufen Konflikte, wenn sie “per Sie” geführt werden, meist sachlicher ab.

Auch bevor ein Unternehmen vom Sie zum Du übergeht, sollten einige grundsätzliche Fragen beantwortet sein: Was soll damit anders werden? Womit sind Sie unzufrieden? Und passt ein Du zur Unternehmenskultur? Eine Überlegung wert sei aber auch die Frage, was der Betrieb noch tun kann, um die Ziele zu erreichen, die er mit dem Duzen zu erreichen hofft. Und klar sollte sein: Nur vom Sie zum Du zu wechseln, macht keinen großen Unterschied. Wenn sich das Betriebsklima ändern soll, müssen die Vorgesetzten eine positive Streitkultur vorleben. Soziale Kompetenz zu zeigen, in der Lage zu sein, Kritik zu üben und Kritik selbst auszuhalten, das sind wichtige Voraussetzungen für Nähe und Teamgeist. Gelingt das, ist das gegenseitige Duzen oft nur noch die logische Konsequenz. Wird es dagegen von oben angeordnet, ohne dass der Führungsstil im Unternehmen dazu passt, so wirkt es formelhaft. Man merkt sofort, dass es nicht authentisch ist. Den Mitarbeitern das gegenseitige Duzen vorzuschlagen, könne durchaus ein Signal sein, dass eine andere Gesprächskultur gewünscht ist.



Diese Webseite benutzt technische Cookies und jene von Drittanbieter. Klicken Sie hier, um weitere Informationen dazu zu erhalten, oder deren Verwendung zu verweigern.
Durch die weitere Nutzung dieser Webseite, wird die Verwendung von Cookies akzeptiert.

Schließen