Die Arbeitswelt von morgen

News
Samstag, 12. Dezember 2015

Wirtschaftsforschungsinstitute analysieren regelmäßig die Lage am Arbeitsmarkt. Dabei sind leistungsfähige Jobs von morgen, Branchen wie Berufe mit Zukunft von zentralem Interesse. Es sind unterschiedliche Faktoren, die letztlich dafür entscheidend sind, welche Branchen künftig gute Karrierechancen bieten werden. Einerseits geht es darum, welche Schwerpunkte in einem Land historisch gewachsen sind. Andererseits gibt es gesellschaftliche und technologische Trends sowie geopolitische Entwicklungen, von denen sich ein Land nur schwer abkoppeln kann. Generell lässt sich aber behaupten, dass Südtirol die weltweite Wirtschaftskrise gut überstanden und daraus auch nützliche Lehren für die Zukunft gezogen hat. Dies ist insbesondere auf die klein- und mittelständischen Strukturen mit einem ausgewogenen Branchenmix zurückzuführen.

Unsere Arbeitswelt ist globaler, digitaler, kleinteiliger, vielschichtiger und auch weiblicher geworden. Und sie ist stärker nach außen vernetzt. Immer mehr Menschen werden im Zuge dieser Veränderungen zeitweilig selbstständig sein. „Die lebenslange Anstellung“ existiert nur noch in den Geschichtsbüchern. Die Beschäftigten werden aus „einem kontrollierten Arbeitsumfeld“ in die freie Wildbahn entlassen und Führungskräfte vor neue Herausforderungen gestellt: Sie müssen lernen, neue Arbeitsmodelle zu meistern sowie nicht anwesende und nicht angestellte Mitarbeiter zu führen und so schnell wie möglich produktiv zu machen.

Neben einer Kernbelegschaft in herkömmlichen Arbeitsverhältnissen gibt es bereits zunehmend eine Zusammenarbeit ohne klassischen Arbeitsvertrag: in Projekten, mit Freelancern, mit Zeitarbeitsfirmen, mit Interimsmanagern. Es gibt mehr befristete Arbeitsverträge, höhere Teilzeitquoten, mehr outgesourcte Bereiche und eine größere Zahl an mitarbeitenden Spezialisten, Zulieferern und Businesspartnern. In Zukunft wird vor allem für Denkleistung bezahlt. Der stationäre Arbeitsplatz und das eigene Büro werden zurückgedrängt. Fernanwesenheit, eine mobile Arbeitskultur, flexible Arbeitszeitmodelle, virtuelle Teams und das Home-Office nehmen stärker zu. Wissen, das noch fehlt und kurzfristig verfügbar sein muss, wird über Externe zugekauft. Man umgibt sich mit den jeweils besten Leuten für einen bestimmten Job.

Jenseits der klassischen freien Berufe (etwa Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten) beginnt sich immer stärker eine neue Klasse von Solo-Unternehmern zu etablieren: die Freelancer und selbstständigen „Knowledge-Worker“. Doch egal, ob männlich oder weiblich: Knowledge-Worker, die hochqualifizierten Wissensarbeiter unserer fortschreitenden Netzwerkökonomie, erschaffen gerade ein Parallel-Universum zum traditionellen Arbeitsmarkt. Im Zentrum ihrer Motivation steht die Idee der Selbstverwirklichung. Dafür wird ein hohes Maß an Zukunftsunsicherheit und eine große Schwankung beim Einkommen bewusst in Kauf genommen. Diese Knowledge-Worker organisieren sich zunehmend zusammen mit Mentoren, Investoren und Inkubatoren sowohl in virtuellen Netzwerken als auch an Co-Working-Orten. Kollaboration statt Wettbewerb, also miteinander statt gegeneinander, heißt ihr Erfolgsprinzip. Anbieter und Nachfrager kommen auf den unterschiedlichsten Plattformen zusammen, auf denen es vor Angeboten geradezu wimmelt. Hier entstehen auch neue Bewertungsverfahren, die der innerbetrieblichen Mitarbeiter-Evaluierung als Vorlage dienen können: Sterne, Punkte, Siegel und Rankings für erfolgreich durchgeführte Projekte. Der geschönte Lebenslauf von einst und das „aufgeblasene“ Profil auf einschlägigen Portalen werden zunehmend durch ein öffentlich sichtbares Portfolio mit mehr oder weniger positiven Projektreferenzen abgelöst. Der Aufbau einer positiven Reputation ist ein unabdingbares Kernelement, um in diesem Umfeld erfolgreich sein zu können.

Die Arbeit wird uns nicht ausgehen: Zwar werden weiterhin Jobs im Zuge der fortschreitenden Rationalisierung vor allem in der Produktion wegfallen. Aber mit den neuen Bedürfnissen werden auch mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als durch Rationalisierung wegfallen. Beschäftigte müssen mehr wissen und können: Viele der heute noch üblichen Routinearbeiten auch in Büros werden wegfallen. Die neuen Arbeitsplätze werden anspruchsvoller und erfordern eine bessere Ausbildung. Gefragt ist künftig vor allem Problemlösungskompetenz! Der eigene Beruf sollte aber auch in Zukunft in jedem Fall mehr als nur ein Job sein: Er sollte Spass und Freude bereiten, die eigenen Interessen und Bedürfnisse befriedigen, aber auch Sicherheit für die Zukunft bieten.



Diese Webseite benutzt technische Cookies und jene von Drittanbieter. Klicken Sie hier, um weitere Informationen dazu zu erhalten, oder deren Verwendung zu verweigern.
Durch die weitere Nutzung dieser Webseite, wird die Verwendung von Cookies akzeptiert.

Schließen