Das Problem Kündigungsfristen

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Samstag, 28. März 2009

Wer sich in Südtirol auf Arbeitssuche begibt und dabei sowohl eine solide Grundausbildung als auch einige Jahre an Berufserfahrung vorweisen kann, der hat trotz „Wirtschaftskrise“ keine großen Schwierigkeiten, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Oft benötigt der jeweilige Arbeitssuchende zwar etwas Zeit dazu, den passenden Arbeitsplatz zu finden, mit etwas Geduld lassen sich aber die beruflichen Vorstellungen verwirklichen.

Der Arbeitssuchende stößt bei seiner Suche aber nicht selten auf ein anderes Problem. Unternehmen suchen dann nach neuen Mitarbeitern, befinden sie sie sich im Wachstum und müssen neue, zusätzliche Mitarbeiter aufnehmen oder aber haben die Notwendigkeit, neue Mitarbeiter einzustellen, da Mitarbeiter der bestehenden Mannschaft ausscheiden und deshalb zu ersetzen sind. Sowohl im ersten, vor allem aber im zweiten Fall, möchten Unternehmen die offene Position so schnell wie möglich besetzen, um zum einen neue, geplante Projekte zu starten bzw. dem Wachstum zu begegnen oder aber die Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten. Dies hat zur Folge, dass nicht selten Druck auf Kandidaten ausgeübt wird, sofort den neuen Arbeitsplatz anzutreten. In vielen Fällen ist gerade der „mögliche Eintrittstermin“ einer der ausschlaggebenden Kriterien in der Selektion.

Arbeitsrechtlich gesehen ist die Situation im Falle einer freiwilligen Kündigung seitens des Arbeitnehmers die, dass dieser eine Kündigungsfrist einzuhalten hat. Diese Kündigungsfrist orientiert sich sowohl am Dienstalter als auch an der jeweiligen Einstufung des Mitarbeiters. Die Kündigungsfrist ist im gültigen Nationalen Kollektivvertrag nachzulesen. Zudem dürfte allgemein bekannt sein, dass die Kündigungsfrist zum 1. bzw. zum 15. eines jeweiligen Monats beginnt. Sinn und Zweck dieser zeitlichen Frist ist im Falle einer freiwilligen Kündigung seitens des Mitarbeiters die, dem Arbeitsgeber die Möglichkeit einzuräumen, sich nach einem Ersatz umzusehen. Leider ist diese Zeit oft sehr knapp, da die Selektion des neuen Mitarbeiters alleine schon eine bestimmte Zeit in Anspruch nimmt, zu welcher letztlich noch jene einer eventuellen Kündigungsfrist des neuen Mitarbeiters dazugezählt werden muss. Zudem sieht sich das Unternehmen in vielen Fällen mit der Situation konfrontiert, dass der ausscheidende Mitarbeiter die vom Nationalen Kollektivvertrag vorgesehene Kündigungsfrist nicht einhält und das Unternehmen auf der Stelle verlässt. Viele, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer, sind der Meinung, dass der Zeitraum der Kündigungsfirst unbedingt gearbeitet werden muss. Kein Mitarbeiter kann dazu gezwungen werden, die Kündigungsfrist zu arbeiten, wie auch kein Mitarbeiter darauf bestehen kann, die Kündigungsfrist zu beenden. Im Falle einer Nichteinhaltung, sei es, dass der Mitarbeiter sofort oder vorzeitig das Unternehmen verlässt oder aber der Arbeitgeber darauf besteht, dass der betroffene Mitarbeiter ohne Einhaltung der Kündigungsfrist das Unternehmen verlässt, ist eine entsprechende Ersatzzahlung zu leisten. Dem Mitarbeiter kann die nicht geleistete Kündigungsfrist in Abzug gebracht, während der Arbeitgeber dazu verpflichtet werden kann, die nicht geleistete Kündigungsfrist in Auszahlung zu bringen, sollte er vom Mitarbeiter verlangt haben, das Arbeitsverhältnis sofort aufzulösen. Es gibt aber auch die Möglichkeit einer einvernehmlichen Lösung, was soviel heißt, dass sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer darauf einigen, das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Termin aufzulösen. In diesem Falle ist aber die Schriftform unbedingte Voraussetzung, da sich sonst jede der beiden Vertragsparteien in jedem Moment auf die kollektivvertraglichen Bestimmungen, sprich vertragliche Kündigungsfrist berufen kann.

Kündigungsfrist hin oder her. Sollte ein Mitarbeiter die Entscheidung getroffen haben, das Unternehmen zu verlassen, sollte dieser auch das notwendige Verständnis für den Arbeitgeber mitbringen, dass die vakante Stelle nach besetzt werden muss. Auch der neue Arbeitgeber sollte sich dieser Situation bewusst sein, denn auch er könnte sich in Zukunft in einer ähnlichen Lage wiederfinden und wäre dann sicherlich selber sehr glücklich darüber, hätte er die notwendige Zeit für eine eventuelle Problemlösung. Oft wird nämlich unnötig Druck auf Kandidaten ausgeübt, damit diese ihren alten Arbeitsplatz sofort aufgeben. Wettbewerb, in diesem speziellen Falle, Wettbewerb um Mitarbeiter ist gut und Recht, es darf dabei aber nicht auf Korrektheit und Fairness vergessen werden. Jeder ist frei, das Unternehmen zu verlassen oder aber sich neue Mitarbeiter zu suchen. Wichtig ist, dass man andere Unternehmen, Mitbewerber oder Arbeitgeber so behandelt, wie man selbst gerne behandelt werden würde.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 28.03.2009



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