Bewerbungsgespräche richtig führen

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Samstag, 3. Juni 2017

Immer noch ist das Bewerbungsgespräch das wichtigste und am häufigsten eingesetzte Auswahlverfahren bzw. Instrument bei der Aufnahme von neuen Mitarbeitern. In der täglichen Praxis werden Bewerbungsgespräche jedoch, und das auch vom einen oder anderen Personaler, sehr nachlässig geführt: unsystematisch und unvorbereitet und vielfach abhängig vom Verlauf des Gespräches. Um aber brauchbare und nützliche Informationen aus Bewerbungsgesprächen zu erhalten, ist es wichtig, bestimmten Grundsätzen zu folgen. Die Aufnahme von neuen Mitarbeitern ist einfach zu wichtig, um diese dem Zufall zu überlassen.

Dazu gehört zu allererst, dass man sich vor dem jeweiligen Gespräch die Bewerbungsunterlagen ihres Kandidaten aufmerksam durchliest und sich eventuelle offene Punkte und Widersprüche notiert. Später im Gespräch sollten nämlich keine Fragen gestellt werden, deren Antworten bereits aus den Unterlagen hervorgehen. Z.B.: „Wo haben Sie studiert?“ – diese Frage ist nicht nur überflüssig, sondern zeugt auch davon, dass man den Lebenslauf nicht aufmerksam gelesen hat. Wer nämlich von seinem Bewerber verlangt, sich im Vorfeld über das „eigene“ Unternehmen informiert zu haben, der muss im Gegenzug natürlich auch über den Kandidaten Bescheid wissen.

Um das Gespräch möglichst geordnet und zielgerichtet zu führen, hilft es, den Gesprächsablauf grob zu planen. Was will ich alles vom Bewerber wissen? Wie lange soll das Gespräch dauern? Wer soll beim Gespräch anwesend sein und welcher Teilnehmer stellt welche Fragen? Und dieser Ablauf sollte möglichst bei allen weiteren Interviews beibehalten werden; dies nämlich erleichtert einen eventuellen Vergleich der Kandidaten für die eine und dieselbe Position. Sehr wichtig ist es zudem, eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Das beginnt damit, dass man für das Gespräch einen ruhigen und ansprechenden Raum wählt, in welchem man sich ungestört unterhalten kann. Nachdem man vom Bewerber erwartet, dass dieser pünktlich erscheint, so muss man selber zur vereinbarten Zeit für das Gespräch bereitstehen.

Das Bewerbungsgespräch ist für die meisten Kandidaten eine Ausnahmesituation. Um den Kandidaten auch wirklich kennenzulernen, ist es sehr hilfreich, diesem so weit wie möglich dessen Nervosität zu nehmen. Ein bisschen Smalltalk, vielleicht sogar ein Lächeln oder ein kleiner Scherz, erleichtern den Gesprächseinstieg. Es geht darum, das Gespräch zu aktivieren und gezielte Fragen zu stellen. Es ist aber darauf zu achten, dem Bewerber die Gesprächsaktivität zuzuspielen. Selber sollte man sich eher zurückhalten, um den Bewerber möglichst viel mit eigenen Worten erzählen zu lassen. Dies verlangt eine sichere Fragetechnik. Die geeignetste Frageform sind dabei offene Fragen, also solche, die sich nicht mit Ja oder Nein beantworten lassen. Damit erreicht man die gewünschte Tiefe des Gesprächs. Gerne können auch einmal ungewöhnliche Fragen gestellt werden. Bewusst provozierende Fragen zu stellen, um den Bewerber unter Druck zu setzen und eine Stresssituation auszulösen, dieses Vorgehensweise sollte allerdings (wenn überhaupt!), großer Vorsicht zum Einsatz kommen. Auch wenn die Antworten Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zulassen können, so gelingt dies meist nur psychologisch versierten Menschen. Wenn Stressresistenz also nicht explizit zum Anforderungsprofil gehört, sind außergewöhnliche Fragen die bessere Wahl. Standardfragen wie „Was sind Ihre Schwächen?“ sollten generell lieber vermeiden – darauf hat sich so ziemlich jeder Bewerber eine Antwort zurechtgelegt. Im Gespräch mit dem Bewerber geht es auch darum, aufmerksam und auf einzelne Aussagen und Fragen einzugehen und dabei Blickkontakt zu halten. Auch wenn die Hauptgesprächsaktivität beim Bewerber liegen sollte, darf man die Gesprächsführung nicht aus der Hand geben, indem man z.B. ins Plaudern abrutscht. Wichtig ist es, sich während des Gesprächs immer wieder Notizen zu machen. Bei Gesprächen mit mehreren Kandidaten verliert man sonst leicht den Überblick.

Ein Punkt, welchen viele Interviewer vernachlässigen oder oft wirklich unterschätzen ist jener, dass bei jedem einzelnen Bewerbungsgespräch auch das „eigene“ Unternehmen repräsentiert wird. Jeder Gesprächspartner ist ein potenzieller Mitarbeiter und sollte deshalb auch einen positiven Eindruck mitnehmen. Auch wenn am Ende keine Zusammenarbeit zustande kommt, wird er mit großer Sicherheit im Bekanntenkreis von seinen Erfahrungen berichten.



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