Beruf als Berufung

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Mittwoch, 11. November 2009

Macht Ihnen Ihr Job überhaupt Spaß? Empfinden Sie bei Ihrer Arbeit Freude und Enthusiasmus? Können Sie Ihre Persönlichkeit entfalten? Tun Sie das, wofür Sie sich berufen fühlen? Oder sind Sie etwa der Meinung, dies wäre nur zweitrangig, da Ihnen eine bedingungslose Karriere einfach wichtiger ist? Wenn Sie sich da mal nicht täuschen! Immer öfter hört man von Personen, die kurzerhand und unerwartet ihren Job wechseln und endlich das tun, was sie schon immer tun wollten. Warum wohl? Sie haben ihren Job einfach satt. Sie haben es satt, einen Großteil ihrer Lebenszeit mit einem Job zu verbringen, der sie nicht wirklich ausfüllt. Sie wollen nicht länger Teil eines Systems sein, das vollständige Kontrolle über ihr Leben gewonnen hat.

Untersuchungen belegen, dass mehr als 50 Prozent der Arbeitnehmer auch in Südtirol gerne in einen Beruf wechseln würden, der weniger stressvoll und gleichzeitig erfüllender ist als ihr augenblicklicher. Zwei Drittel verspüren keine Lust mehr, sich für ihr Unternehmen einzusetzen. Davon haben bereits circa 15 Prozent innerlich gekündigt. Ist dieser Umstand nicht äußerst bedenklich und erschreckend?

Es ist verblüffend, wie hoch der Grad an Arbeitgebern und Arbeitnehmern der verschiedenster Bildungs-, Sozial- und Berufsgruppen ist, welche ihre Tätigkeit nicht mehr als befriedigend, sinnvoll und motivierend erleben. Sie fühlen sich irgendwie festgefahren, unternehmen aber wenig oder gar nichts, diesen ihren Zustand zu ändern. Wie kann man sich das erklären? Sicher ist ein weit verbreitetes Versorgungsdenken und ein hohes Sicherheitsbedürfnis daran Schuld, welches an einer gewohnten Routinen festhalten läßt. Arbeitsplatzverknappung, Existenzangst, Konkurrenz und Leistungsdruck machen es vielen Menschen schwerer, sich im Beruf zu verwirklichen. Oft werden diese extremen Faktoren beklagt und als „Entschuldigung“ herangezogen. Sicherlich sind diese äußeren Umstände eine nur schwer überwindbare Realität. Es ist aber vor allem die Psyche der betroffenen Menschen, die sie daran hindert, wirklich aktiv zu werden und endlich eine Entscheidung zu treffen.

Beruf als Berufung! Bereits das Wort bringt es klar zum Ausdruck: "etwas Größeres" ruft oder beruft uns. Auch für Berufene ist Arbeit genauso schwierig und herausfordernd wie für jeden anderen Menschen. Der Unterschied liegt im Bereich der Motivation und der Sinnhaftigkeit. Fühlt sich jemand berufen, so legt dieser viel mehr Energie in die Arbeit, ohne dass dies als belastend empfunden wird. Sie dient eben der Selbstverwirklichung und gibt der Person eine Art von Zufriedenheit. Wer diese Qualität von Arbeitseinstellung kennt, der weiß, dass ein totaler Einsatz verbunden mit Freude und Begeisterung einen vermehrten Rückstrom von Kraft bringt. Durch die Synergiewirkung mit den persönlichen Qualitäten kann der Kraftrückstrom ergeben sich Anerkennung, Vertrauen oder Geld annehmen von ganz alleine.

Wenn Arbeit ausschließlich als Broterwerb betrachtet wird, kann sie leicht zur Last, zum Frust werden, zumal sehr oft Widerstand aufgebaut wird. Das berufliche Defizit an Selbstverwirklichung bewirkt vielfach, dass sich „Leidenschaft“ und „Enthusiasmus“ zunehmend in den Hobby-, Partner- und Freizeitbereich verlagert. Und das ist sehr schade! Ein Leben lang einer Arbeit nachzugehen, welche einem im Grund nicht erfüllt und auf irgend einer Weise eine Befriedigung bringt, ist wirklich verlorene Zeit. Jeder von uns verfügt über seine ganz persönlichen Fähigkeit und Fertigkeit. Diese gilt es zu entdecken, selbst oder mit fremder Hilfe, und danach gezielt seine Arbeitssuche auszurichten. Auch wenn immer wieder und überall von Krise gesprochen wird, so sind wir in Südtirol in der glücklichen Lage, unsere beruflichen Vorstellungen mehr oder minder auch verwirklichen zu können. Es liegt vielmehr an uns, an unserem Interesse und unserer Initiative einen entsprechenden, für uns zufriedenstellenden und erfüllenden beruflichen Weg einzuschlagen.


von Dr. Hannes Mair



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