Balance zwischen Beruf und Familie

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Samstag, 2. April 2016

Fast alle wollen, nur wenige aber setzen auch tatsächlich ihre Vorstellungen um! Auf diese Formel könnte die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Ehrenamt und Freizeit zusammengefasst werden. Lange standen vor allem Frauen vor der Herausforderung, die Mutterschaft mit interessanten Arbeits- und Aufstiegsmöglichkeiten zu verbinden. Zunehmend stellt sich die Problematik der Vereinbarkeit aber auch in der Pflege von betagten oder kranken Verwandten, und auch Väter wollen nicht länger nur Wochenendväter sein, sondern eine aktive Rolle in der Begleitung und Betreuung der eigenen Kinder übernehmen.

Viele Eltern haben oft das Gefühl, allein zu sein, wenn es darum geht, Karriere und Kinder unter einen Hut zu bringen. Oft sieht es so aus, als wenn es bei anderen Familien wunderbar klappt, nur eben bei einem selbst nicht. Wie häufig schauen Sie tagsüber auf Ihre Uhr? Wenn Sie Ihr Kind spätestens um fünf in der Kita abholen müssen, haben Sie das Ticken des Sekundenzeigers vermutlich ständig im Ohr. Zeitdruck macht insbesondere berufstätigen Eltern oder Menschen mit Pflegeaufgaben zu schaffen: Sie stehen vor der Herausforderung, Berufsleben und Familienaufgaben zu vereinbaren, und benötigen neben der Arbeitszeit auch Zeit für Verantwortung in der Familie. Zeitsouveränität spielt für sie eine entscheidende Rolle: die Freiheit, sich die Arbeits- und Familienzeit so weit wie möglich selbst einteilen zu können, passend zur familiären Situation und zu individuellen Bedürfnissen.

Die Balance zwischen Berufs- und Familienleben rückt immer mehr in den Vordergrund. Der englische Begriff „Work-Life-Balance“ verdeutlicht, dass Berufs- und Familienleben gut ausbalanciert in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen sollten. Da gesellschaftliche Veränderungen zunehmend ein Ungleichgewicht zwischen Beruf- und Familienleben hervorbringen, sind sowohl die Politik als auch die Wirtschaft zunehmend gefordert, diese „Balance“ durch gezielte Maßnahmen zu fördern.

Welchen Beitrag können Unternehmen leisten? Vor allem aus betrieblicher Sicht kann viel getan werden. Dazu zählen beispielsweise familienfreundliche Arbeitszeiten (Home-Office, Gleitzeiten oder Abbau von Überstunden), die Errichtung von Betriebs-Kitas für die Mitarbeiter oder die Bereitstellung und Vermittlung von haushaltsnahen und familienunterstützenden Dienstleistungen, insbesondere die Kinderbetreuung. Vor allem das Thema Betriebs-Kitas rückt für viele Unternehmen immer mehr in den Fokus. Immer mehr Unternehmen realisieren, wie wichtig familienfreundliche Angebote sind, um die Ausfallzeiten der Arbeitnehmer zu minimieren und die Mitarbeitermotivation zu steigern. Wenn nämlich Unternehmen familiengerechte Angebote richtig umsetzen, profitieren alle Beteiligten davon: Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen können sich ausreichend um familiäre und berufliche Aufgaben kümmern. Arbeitgeber dagegen haben die Chance, flexibler auf schwankende betriebliche Anforderungen zu reagieren. Darüber hinaus steigern sie damit ihre Attraktivität für potenzielle Arbeitnehmer.

Was kann auf politischer Ebene getan werden? Ohne die Hilfe und Unterstützung durch politische Maßnahmen, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kaum umsetzbar. So wird bereits in vielen Ländern durch gezielte Maßnahmen die „Betriebliche Kinderbetreuung“ stark unterstützt bzw. gefördert und somit ein nicht unwesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Work-Life-Balance geleistet. Darüber hinaus wurde in den vergangenen Jahren auch in Südtirol damit begonnen, finanzielle Mittel dafür aufzuwenden, um den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen noch weiter und besser voranzutreiben. Die Familienfreundlichkeit soll zunehmend auch ein Markenzeichen der Südtiroler Wirtschaft werden.

Und welchen Betrag können Arbeitnehmer leisten? Nicht nur die Politik oder die Unternehmen realisieren, wie wichtig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, auch Arbeitnehmer selbst treffen vermehrt Entscheidungen, die ihr Leben zunehmend verändern. So kam beispielsweise in den vergangen Jahren der Begriff „Downshifting“ auf. Immer mehr Menschen takten ihr Leben neu ein und stellen „Zeit vor Geld“. Sie entscheiden sich ganz bewusst dazu, einen Gang runter zu schalten und wieder mehr zu leben.

Zu den individuellen Herausforderungen gehört ebenso die persönliche Planung der verschiedenen Lebensbereiche. Sei es Unterstützung im Haushalt durch eine Haushaltshilfe oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung durch alternative Betreuungsangebote. Das Thema Zeitmanagement wird dabei zum A und O.

Wenn Väter und Mütter Beruf und Familie vereinbaren können, hebt das die Motivation, spart Kosten für Einarbeitung und Wiedereingliederung und lässt den Krankenstand sinken. Die Beschäftigten, die Kinderbetreuung und berufliche Tätigkeit miteinander vereinbaren können, sind leistungsbereiter und -fähiger, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Und sie sind ihrem Unternehmen oft auch besonders verbunden. Wer sich per Zeitmaschine ein paar Jahre in die Zukunft versetzen lässt, der dürfte dort auf zahlreiche Unternehmen treffen, die sich noch familienfreundlicher aufgestellt haben. Das lassen zumindest heutige Umfragen erkennen. Mehr als drei Viertel aller Arbeitgeber wollen ihre familienfreundlichen Angebote weiter ausbauen, ergab im vergangenen Jahr z.B. eine Befragung von „Erfolgsfaktor Familie“ und dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) in Deutschland.



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