Arbeiten Sie produktiv?

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Samstag, 25. Juli 2009

Jeder von uns kennt zur Genüge die Situationen, Unangenehmes, Lästiges oder Langweiliges vor sich her zu schieben bis der Druck und das Unbehagen größer und größer wird, und man irgend wann vom aufgeschobenen Aufgabenberg überrollt wird. Erwiesenermaßen raubt uns das endlose Aufschieben unangenehmer oder ungeliebter Aufgaben viel von unserer Lebensenergie und Freude, macht unruhig, ängstlich und langfristig unglücklich.

Das Verhalten des Aufschiebens hat in den seltensten Fällen etwas mit Faulheit zu tun, sondern lässt sich im Großen und Ganzen auf die zwei Faktoren Angst und Belohnung zurückführen. Wir stellen oft zu hohe Anforderungen an uns selbst und haben Angst diese ambitionierten Ziele, den angestrebten Perfektionismus nicht zu erreichen. Und um ein mögliches Versagen zu vermeiden, fangen wir mit der Arbeit gar nicht erst an. Die Angst vor Erfolg hemmt uns. Erfolg führt oft dazu, dass mehr Aufgaben nachfolgen, die dazu noch schwieriger sind. Diese Angst geht oft mit einer jahrelangen Konditionierung durch Eltern, Lehrer oder Vorgesetzte einher, für die Arbeit nie gut genug sein kann. Wir finden uns in einem Kreislauf von Aufschieben und größer werdender Angst zu versagen wieder. Der zweite Hauptgrund für das Aufschieben ist, dass wir zunächst belohnt werden. Oft werden wir unglaublich kreativ im "Erfinden" von Arbeiten, um uns vor wirklich wichtigen Dingen zu drücken.

Wenn wir Aufgaben aufschieben, so muss das nicht heißen, dass wir disziplinlos und faul sind. Vielmehr ist dies ein Zeichen dafür, dass wir unsere Einstellung zu Arbeit ändern müssen. Arbeit sollte nicht als bedrohend, lähmend und als niemals endend wahrgenommen werden. Erledigte Arbeit muss durch Freizeit belohnt werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine positive Einstellung zu Arbeit zu entwickeln. Wir genießen mehr Freizeit und sind gleichzeitig weitaus produktiver. Zudem können wir diese Freizeit ohne jedes schlechte Gewissen richtig genießen.Um also das Aufschieben erfolgreich in den Griff zu bekommen, empfiehlt es sich, die eigene Einstellung zu Arbeit und zu sich selbst ändern.

Wir müssen lernen, den Weg der kleinen Schritte zu gehen und müssen uns die Zeit für eine regelmäßige Erholung gönnen. Dies gibt uns ein Gefühl der Kontrolle. Außerdem gewinnen wir das Selbstwertgefühl zurück, da wir nicht mehr nur für die Arbeit leben. Genauso wie es unmöglich ist, einen Berg am Stück zu besteigen, ist es unmöglich, produktiv zu arbeiten, ohne ab und an die Batterien aufzuladen und neue Energie und Motivation zu tanken.

Meistens planen wir unsere Zeit völlig unrealistisch. Ein Tag hat lediglich 24 Stunden. Wir vergessen leider oft, dass wir auch schlafen, essen und noch weitere schöne Dinge tun müssen bzw. dürfen! Produktives Arbeiten heißt nicht nur, eine To-Do-Liste zu führen oder immer das Notizbuch dabei zu haben. Denn produktives Arbeiten lässt sich nicht alleine mit Techniken und Methoden erreichen, sondern hat sehr viel mit Selbsterkenntnis zu tun: Wieviel kann ich in welcher Zeit erledigen? Wie teile ich mir meinen Tag so ein, dass ich meine Ziele erreiche, ohne abends völlig ausgepumpt zu sein? Und: Wann und unter welchen Umständen kann ich gut arbeiten? Die Energie, die jedem von uns zur Verfügung steht, hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon sind die eigenen Gefühle und die eigene Stimmung. Gefühle und Stimmungen beruhen häufig auf Ereignissen, die ein paar Stunden oder Tage zurückliegen. Durch Beobachtung und Selbsterkenntnis kann es uns gelingen, gewisse Gefühle schneller “loszulassen” oder bestimmte Stimmungen von vornherein zu vermeiden oder zu lernen damit umzugehen. Wichtig ist es aber, dass wir lernen uns selbst zu respektieren, uns erlauben, Fehler zu machen und den Weg der kleinen Schritte auch in schwierigen Momenten weiterzugehen. Dies bringt uns weiterbringen und uns unserem Ziel sowohl in privater wie auch beruflicher Hinsicht näher kommen lassen.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 25.07.2009



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