Alt aber produktiv

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Samstag, 31. Juli 2010

Der demographische Wandel hat längst begonnen. Die Bevölkerung schrumpft. Auch im Erwerbsalter gibt es immer weniger junge und immer mehr ältere Personen. Demographen sagen den westlichen Industrieländern gravierende Veränderungen in der Altersstruktur der Gesamtbevölkerung voraus. Gesamtwirtschaftlich sinkt die Quote der Erwerbstätigen, die Zahl der älteren Arbeitnehmer steigt und es werden sich weniger junge Arbeitskräfte nach Abschluss ihrer Ausbildung auf den Arbeitsmarkt begeben. Das hat zur Folge, dass in den Unternehmen das Alter der Belegschaft in den nächsten Jahren zunehmen wird. Für die Betriebe erwächst daraus eine neue Herausforderung. Dieselbe kann aber auch als Chance verstanden, sollten entsprechende Probleme frühzeitig erkannt und von den Unternehmen gezielte Maßnahmen gesetzt werden.

„Ältere Mitarbeiter sind unflexibel, teuer, oft krank, und, und, und... Die Latte der Vorurteile ist lang, mit denen Arbeitnehmer oft schon jenseits der 40 zu kämpfen haben. „Dürfen wirklich nur Chefs alt sein?“ Die Kündigung älterer Mitarbeiter bringt vielfach Lob für das Management ein und steigert den Marktwert des Unternehmens. Die Kosten dabei übernimmt die Steuern zahlende Allgemeinheit. Keine Berücksichtigung findet, dass abgehende älterer Mitarbeiter oft eine große Wissenslücke hinterlassen, die zu füllen sehr teuer sein kann. Ältere Arbeitnehmer abbauen und durch jüngere ersetzen geht demnach nicht so einfach funktionieren! Trotz der zur Zeit nicht unbedingt rosigen Arbeitsmarktzahlen steuern wir auf eine Zeit zu, in der in ganz Europa akuter Arbeitskräftemangel herrschen wird. Diesen Fachkräftemangel kann auf vielfältige Art bekämpft werden. Eine Möglichkeit ist die Zuwanderung mit den bereits bekannten Integrationsproblemen. Eine weitere Möglichkeit ist die verstärkte Mobilisierung des Frauenpotentials. Auf alle Fälle wird es aber unerlässlich sein, die Arbeitmarktreserve der älteren Kolleginnen und Kollegen einzubringen. Am Jobmarkt sollte es also theoretisch besser für ältere Arbeitskräfte werden.

Sich über die langfristige Leistungsfähigkeit und Motivation älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gedanken zu machen, ist dabei ein wichtiger Schritt. Die entscheidende Voraussetzung: der Erhalt der Gesundheit bei steigendem Alter. Wie aber ist es möglich, Arbeit so zu gestalten, dass die Beschäftigten ihre Gesundheit und damit ihre Produktivität bis ins höhere Lebensalter erhalten können? Die Qualifikationen Älterer sind im Vergleich zu denjenigen jüngerer Arbeitnehmer häufig weniger aktuell und spezialisiert. Dazu kommt, dass der Kenntnisstand einseitig wird, wenn Beschäftigte über längere Zeit immer wieder die gleichen Tätigkeiten ausüben. Gleichzeitig verlernen sie dabei das Lernen. Nur durch gezielte und kontinuierliche Personalentwicklungsmaßnahmen können Unternehmen Qualifikationsdefizite ihrer älteren Belegschaft entgegenwirken. Es sind aber nicht nur die neuen Technologien oder Unternehmensstrategien, welche es zu vermitteln gilt, es müssen zudem Maßnahmen im Bereich der Gesundheitsvorsorge und -förderung getroffen werden, damit ältere Mitarbeiter in einem gesunden und damit produktiven Zustand dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben.

Das größte Problem ist, dass sich bei vielen Chefs hartnäckig die Defizitannahme hinsichtlich älterer Mitarbeiter hält, obwohl es keine entsprechenden Untersuchungen gibt. Im Gegenteil, sie verfügen über alle Voraussetzungen, ein Leben lang immer wieder Neues zu erlernen. Außerdem entwickeln sich unser Wissen und unsere Erfahrungen mit dem Alter und bleiben uns erhalten. Die Fähigkeit zum abwägenden Urteilen, größere soziale Kompetenzen sind zudem unschätzbare Pluspunkte, die Jüngere noch nicht in die Waagschale werfen können. Jüngere hingegen punkten mit neuem Wissen und schnellerer Informationsverarbeitung. Ihr Bewusstsein, sich ständig weiter zu qualifizieren, ist bereits ausgeprägter. Ältere Mitarbeiter weisen somit im Vergleich zu jüngeren Mitarbeitern ein anderes Leistungs- und Kompetenzprofil auf. Dies gilt es für Unternehmen ganz gezielt zu nutzen.


von Dr. Hannes Mair
Dolomiten-Beilage M@rkt vom 08.05.2010



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