Alkohol am Arbeitsplatz

News
Samstag, 20. April 2013

Alkohol ist ein Suchtmittel, das gesellschaftlich stark akzeptiert ist. Ein Alkoholproblem wird oft erst zu spät als ein solches erkannt, denn die Grenze zwischen „normalem“ Konsum und Sucht verläuft oft fließend. Ein guter Freund, der jeden Abend seine zwei Flaschen Bier trinkt, die Freundin, die nach dem Frühstück ihr kleines Glas Sekt genießt, der Mitarbeiter, der nach Feierabend mit Kollegen noch auf einen „Absacker“ geht - mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier nicht um Personen mit Suchtproblemen. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich aus diesen Gewohnheiten einmal ein Problem entwickeln könnte.

Aktuelle Studien belegen, dass rund 5 bis 10 Prozent der arbeitenden Bevölkerung alkoholkrank bzw. alkoholgefährdet sind. Alkohol am Arbeitsplatz verursacht dabei Kosten in der Höhe von 1,25% – 2,5% der gesamten Personalkosten. Dabei beeinflussen Suchtprobleme von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, egal in welcher Position, das Betriebsklima in negativer Weise, gefährden die Sicherheit, behindern Arbeitsabläufe und wirken sich dementsprechend auf die Produktivität aus.

Wenn „Alkohol am Arbeitsplatz“ Probleme verursacht, so reicht der Umgang mit dieser Situation vom Wegschauen bis hin zu emotionsgeladenen Spontanhandlungen. Den Betrieben fehlt es hier oftmals an den notwendigen Informationen. Ratlosigkeit und vor allem die Angst etwas falsch zu machen, prägen den betrieblichen Alltag bei alkoholbedingten Problemsituationen. Wie gehe ich richtig  suchtgefährdeten Mitarbeitern/innen um? Und was ist rechtlich überhaupt möglich? Fakt ist: Menschen mit Suchtproblemen sind krank und benötigen medizinische, psychologische und soziale Unterstützung!

Was aber sind die Anzeichen für eine Alkoholsucht? Suchtexperten nennen folgende Anzeichen als Indiz für eine Alkoholsucht: Eine Person ist auffallend oft und bei den verschiedensten Gelegenheiten trinkfreudig, schon angeheitert erscheint, also heimlich, allein und schon am Morgen trinkt, häufig nach Alkohol riecht, plötzlich in Gesellschaft gar nichts mehr trinkt, aber trotzdem alkoholisiert wirkt, übermäßig gereizt reagiert, wenn das Gespräch auf Alkohol kommt und seine Trinkmenge eher bagatellisiert, trotz Führerscheinentzugs oder Problemen am Arbeitsplatz weiter in der Öffentlichkeit trinkt, starke unerklärliche Stimmungsschwankungen hat, ständig ein rotes Gesicht, aufgedunsene Haut und glasige Augen hat, schon morgens oder in jeder Mittagspause trinkt, dabei aber wenig isst, immer wieder ohne Voranmeldung freie Tage nimmt, häufig zu spät am Arbeitsplatz erscheint, in der Leistung stark nachlässt oder schwankt, den Arbeitsplatz während des Tages immer wieder kurz verlässt und insgesamt versucht, Vorgesetzten aus dem Weg zu gehen und Ähnliches.

Wenn man eine oder mehrere dieser eben beschriebenen Auffälligkeiten regelmäßig und über einen längeren Zeitraum beobachten kann, können Sie daraus schließen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest ein Alkoholmissbrauch vorliegt.

Was tun? Es empfiehlt sich, zu einem passenden Zeitpunkt ein Gespräch mit der betreffenden Person zu führen. Wichtig dabei ist, dass man sich ungestört mit der Person unterhalten kann. Das Ziel des Gesprächs ist, Vertrauen aufzubauen und über die Tatsachen zu sprechen. Die Situation darf nur geschildert (sachlich dargestellt) und nicht beurteilt (Anschuldigungen) werden. Dabei soll aber nicht um den heißen Brei herumgeredet sondern klipp und klar zum Ausdruck gebracht werden, dass der Verdacht auf ein Alkoholproblem vorliegt und dass man sich darüber Sorgen mache. Eine klare Beschreibung über das beobachtete Verhalten sowie konkrete Beispiele mit Datum und Uhrzeit für die bemerkten Symptome sind dem Mitarbeiter zu kommunizieren. In einem ersten Gespräch wird die betreffende Person in der Regel erst einmal abstreiten, dass sie Alkoholprobleme hat. In Folge empfiehlt es sich zum Ausdruck zu bringen, dass man sich darüber freuen würden, wenn dieser Verdacht nicht zutreffen würde, diese Situation aber weiter beobachten würde. In diesem Zusammenhang kann konkrete Hilfe angeboten werden, indem z.B. Kontaktadressen vermittelt, wo die jeweilige Person Hilfsangebote bekommt.

Viele Betriebe tun sich schwer mit dem Thema „Alkohol am Arbeitsplatz“. Sie reagieren erst bei einem akuten Fall. Es lohnt sich aber, nicht zuzuwarten, sondern von vornherein klare Regeln durch die Betriebsleitung festzulegen.



Diese Webseite benutzt technische Cookies und jene von Drittanbieter. Klicken Sie hier, um weitere Informationen dazu zu erhalten, oder deren Verwendung zu verweigern.
Durch die weitere Nutzung dieser Webseite, wird die Verwendung von Cookies akzeptiert.

Schließen